Was Krieg bedeutet - ein Augenzeugen-bericht

Veröffentlicht am 4. Juni 2024 um 01:45

Herzlichen Dank an die heute 87-jährige Eva für die Schilderung ihrer Fluchterfahrungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

"Vielleicht trägt`s ein wenig dazu bei, dass uns solche Erfahrungen erspart bleiben" (dialog-friede.de).

Vielen Dank auch Dir!

"Was Krieg bedeutet - meine Fluchterfahrung von 1944 bis 1947."

Memelländer auf der Flucht

"Richtig verarbeitet haben wir, die so etwas erleben mussten, das Schreckliche, wohl nie.

Auch heutzutage, mit 87 Jahren, kommen mir manchmal Albträume."


Fluchtberichte aus dem Memelland

"Der Befehl zur Räumung kam zu spät." Johanne Moors

"Meterhohe Granathaufen, Ausrüstung, Autos und aller erdenkliche Hausrat lagen mit erschöpften Menschen am Wege." Elsa Steinwender

"22. Nov. 1943 Abends 7 ¼ - ¾ 8 Bombardiert.- Total. Alles verloren." Wilhelmine Pierach

"Wir bekamen Namenschilder und Gasmasken um den Hals gehängt. In den Tornister kam Essen. Auf dem Weg zum Zug stank die Luft, überall brannte es, im Straßengraben lagen Tote und Beine und Arme und hingen auch in den Bäumen. Der Zug war so voll, dass man gar nicht umfallen konnte. Wie die Heringe standen wir da. Aufs Klo gehen ging nicht, man musste es einfach laufen lassen. Draußen hingen auch welche am Zug." Regina

"Wenn wir draußen spielten, flogen die Tiefflieger immer auf uns Kinder zu und wir mussten uns schnell hinschmeißen. Sie warfen schöne Silberpapierstreifen raus (Anm. Radarabwehr). Aber als wir sie zum Spielen aufsammelten, hatten wir verätzte Finger." Regina

"Am 15. zum 16.04.1945 in der Nacht in Neutief bei Pillau ereilte mich das Schicksal, so daß ich mein rechtes Beim am Unterschenkel eingebüßt habe. Ich wurde in derselben Nacht amputiert." Martin Wisbar

"Mir und meiner Familie ist Schreckliches vorgekommen, und habe keine Ruhe weder Tag noch Nacht, Kummer und Sorgen und quälende Gedanken, denn: Mein liebes Frauchen ist auf der Flucht in Labiau verloren gegangen mit der Gieselchen, Tochter von Eva am 22.01.1945, bis dato nirgends zu finden. Hat sich nirgends gemeldet. Wo kann sie geblieben sein ??? Weiß der liebe Gott allein." Johann Tendies

"Lieber Bodo, wenn Du noch entsinnen kannst, wie der Krieg anfing, da habe ich auch geschildert, wir werden den Krieg verlieren, viel mehr habe ich es deiner Gattin erzählt, ich traute mich nicht, zu viel zu erzählen, dass es nicht an die große Glocke komme." Georg Petereit

"Am 22.02.1945 ist der Flüchtlingszug auf der Strecke Langwedel-Dauelsen von englischen Tieffliegern mit Bomben und Bordwaffen angegriffen worden; es gab viele Tote und Verwundete. Der Zug wurde völlig zerschossen, so daß die Flüchtlinge auch dort ausgeladen werden mußten. Meine Frau ist am 22.02.1945 im Zug durch Ober- und Unterschenkel schwer verwundet. Der Helmut ist durch Kopfschuß (Weichteilverletzung) verwundet." Adam Aschmies

"Übrigens habe ich bis zur Wiedervereinigung oft gesagt: "Ich habe etwas gemacht, was mir keiner nachmachen kann: Mit dem Handwagen durchs Brandenburger Tor!" Dieter Steschulat

"Nach Abtrennung laut Versailler Vertrages stand das Memelland erst unter Verwaltung des Völkerbundes (Französisches Mandat), wurde dann 1923 von Freischärler, hauptsächlich aus Litauen stammend, besetzt und vom litauischen Staat annektiert, bis das Gebiet 1939 an das Deutsche Reich zurückgegeben und wieder an Ostpreußen angliedert wurde.

Nach der Flucht 1944/45 und nach weitestgehender Aussiedlung der in beträchtlicher Zahl in der Heimat verbliebenen oder nach Sibirien verschleppten Memelländer in den 50er und 60er Jahren, lebt der größte Teil der ehemaligen memelländischen Bevölkerung und deren Nachkommen heute in Deutschland. Das Memelgebiet gehört heute zu Litauen." (online-ofb.de/memelland)


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