Gedichte für den Frieden

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht."

Václav Havel


Liebe genügt

Liebe genügt: Auch wenn die Welt schwindet

und die Wälder nur noch klagen,

auch wenn der Himmel zu dunkel ist, als dass trübe Augen

die goldenen Kelche und Gänseblümchen darunter erblicken könnten,

auch wenn die Hügel im Schatten liegen und das Meer ein dunkles Wunder ist

und dieser Tag alle vergangenen Taten verhüllt,

so werden ihre Hände doch nicht zittern, ihre Füße nicht wanken;

die Leere wird sie nicht ermüden, die Furcht wird

diese Lippen und diese Augen der Geliebten und des Liebenden nicht verändern.

William Morris

William Morris (* 24. März 1834; † 3. Oktober 1896) war ein britischer Maler, Architekt, Dichter, Kunstgewerbler, Ingenieur und Drucker. Er war weiter einer der Gründer des Arts and Crafts Movement und früher Begründer der sozialistischen Bewegung in Großbritannien.


Ich habe ein Rendezvous mit dem Tod

Alan Seeger starb während des Ersten Weltkriegs, genauer gesagt am 4. Juli 1916, im Alter von 28 Jahren. Er fiel als Soldat der französischen Fremdenlegion während der Schlacht an der Somme.

Tragischerweise erfüllte sich sein bekanntestes Gedicht, „I Have a Rendezvous with Death“ (Ich habe ein Rendezvous mit dem Tod), in dem er seinen eigenen Tod an der Front vorausahnte.

Mehr als drei Millionen Soldaten kämpften in dieser Schlacht, von denen über eine Million verwundet oder getötet wurden. Damit zählt sie zu den verlustreichsten Schlachten der Menschheitsgeschichte.

Ich habe eine Verabredung mit dem Tod
an einer umkämpften Barrikade,
wenn der Frühling mit raschelndem Schatten zurückkehrt
und Apfelblüten die Luft erfüllen –
ich habe eine Verabredung mit dem Tod,
wenn der Frühling blaue und schöne Tage bringt.
Vielleicht wird er meine Hand nehmen
und mich in sein dunkles Land führen
und meine Augen schließen und meinen Atem rauben.

Vielleicht werde ich ihm noch begegnen.
Ich habe eine Verabredung mit dem Tod
an einem vernarbten Hang eines zerfurchten Hügels,
wenn der Frühling dieses Jahr wiederkehrt
und die ersten Wiesenblumen erscheinen.

Gott weiß, es wäre besser, tief
gebettet in Seide und duftende Daunen,
wo die Liebe im seligen Schlaf pulsiert,
Puls an Puls, Atemzug an Atemzug,
wo stilles Erwachen kostbar ist …
Doch ich habe ein Rendezvous mit dem Tod
um Mitternacht in einer brennenden Stadt,
wenn der Frühling dieses Jahr wieder nach Norden zieht,
und ich stehe zu meinem gegebenen Wort,
ich werde dieses Rendezvous nicht versäumen.

Alan Seeger, 1916

Der nicht genommene Weg

Zwei Wege gabelten sich in einem gelben Wald,
und es tat mir leid, dass ich nicht beide gehen konnte.
Als einzelner Wanderer stand ich lange da
und blickte den einen so weit ich konnte hinunter,
bis er im Unterholz verschwand.

Dann nahm man das andere, das genauso schön war
und vielleicht sogar den besseren Anspruch hatte,
weil es grasbewachsen war und benutzt werden wollte;
obwohl die Vorbeigehenden beide
in Wirklichkeit etwa gleich abgenutzt hatten.

Und beide lagen an jenem Morgen gleichermaßen
bedeckt mit Blättern, die noch kein Schritt geschwärzt hatte.
Oh, ich hob mir den ersten für einen anderen Tag auf!
Doch da ich wusste, wie ein Weg zum anderen führt,
zweifelte ich, ob ich jemals zurückkehren würde.

Ich werde dies mit einem Seufzer erzählen,
irgendwo in ferner Zukunft:
Zwei Wege gabelten sich im Wald, und ich –
ich nahm den weniger begangenen,
und das hat alles verändert.

Robert Lee Frost

Robert Lee Frost (* 26. März 1874; † 29. Januar 1963) war ein US-amerikanischer Dichter und vierfacher Pulitzer-Preisträger. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und war in den USA an Popularität unübertroffen. Sein Werk umfasst Lyrik, längere Blankverstexte und zwei dramatische Stücke. Er ist keiner literarischen Strömung eindeutig zuzuordnen.


Geteiltes Leid

"Die Rechnung geht nicht auf.

Denn Unendlich durch zwei ist Unendlich.

Der Schatten fällt auf den Schatten

und wirft kein Licht."

Erich Fried

Deswegen muss aus der Spirale ausgebrochen werden...                                                  ...indem das Licht von außen kommt.

Was mich wütend macht,

Konstantin Wecker, 13.10.2022

Weitere rezitierte Gedichte findet Ihr hier:

Aus dem Blog

Träume

Halte an deinen Träumen fest,
denn wenn Träume sterben,
ist das Leben wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln,
der nicht fliegen kann.

Halte an deinen Träumen fest,
denn wenn die Träume vergehen,
ist das Leben ein karges Feld,
gefroren unter Schnee.

Langston Hughes

Feuer und Eis

Manche sagen, die Welt wird im Feuer untergehen,
manche im Eis.
Nach dem, was ich an Begierde gekostet habe,
stimme ich denen zu, die das Feuer bevorzugen.
Doch müsste sie zweimal untergehen,
glaube ich, genug vom Hass zu wissen,
um zu sagen, dass auch Eis zur Zerstörung
großartig ist
und genügen würde.

Robert Lee Frost

"Halte dich fest am Anker des Friedens im Hafen der Familie, wenn du im Meer der Friedlosigkeit der Welt nicht versinken willst."

Carl Peter Fröhling (*1933), Dr. phil., dt. Germanist, Philosoph und Aphoristiker


Alp

Auf einer Stange morsch und faul

hockt das Völkergewissen.

Um die Stange tanzen drei Kinderknochen,

aus dem Leib einer jungen Mutter gebrochen.

Es blökt den Takt das Schaf bäh bäh.

Ernst Toller

Mauer der Erschossenen

Vor Schrei und Aufschrei krümmte sich die Wand.

Wie aus dem Leib des heiligen Sebastian,
Dem tausend Pfeile tausend Wunden schlugen,
So Wunden brachen aus Gestein und Fugen,
Seit in den Sand ihr Blut verlöschend rann.

Weißes Morden raste durch die Tage,
Erde wurde zu bespienem Schoß,
Gott ward arm und nackt und bloß,
Doch die Wand in starrer Klage,
Mutter allem Menschenschmerz,
Nahm die Opfer leise an ihr stummes Herz.

Ernst Toller

Ernst Toller (1. Dezember 1893 – 22. Mai 1939) war ein deutscher Autor, Dramatiker, linker Politiker und Revolutionär. 1919 war er sechs Tage lang Präsident der kurzlebigen Bayerischen Räterepublik und anschließend Oberbefehlshaber ihrer Armee. Wegen seiner Beteiligung am bewaffneten Widerstand der Bayerischen Räterepublik gegen die Berliner Zentralregierung wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt.

1933 wurde Toller nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus Deutschland verbannt. Von 1936 bis 1937 unternahm er eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten und Kanada und ließ sich zunächst in Kalifornien nieder, bevor er nach New York ging. Dort schloss er sich anderen Exilanten an. Im Mai 1939 beging er Selbstmord.

Soldaten

Ich kann die Gesichter meiner Kameraden nicht
     vergessen.
Sie ließen sich in Fabriken führen und zu Maschinen-
     teilen pressen.
Vierjähriger Krieg hat ihre Seelen erdrückt und ihre
     Augen geblendet.
Das Menschliche ihrer Gesichter bespien, da starb es,
     geschändet.
Bei Dirnen aus dunklen Hafenschenken und
     schmutzigen Bordellen
Sieht man oft unter geschminkten Masken ein gütiges
     Lächeln quellen.
Aber die Gesichter meiner Kameraden gleichen
     erstarrten Lachen —
Gott! Bruder! Mensch! Werden sie jemals wieder
     erwachen?!

Ernst Toller

Der Ringende

Mutter, Mutter, Warum bist dus nicht?

Kann ich nicht jene Frau,
Die mir mit ihrem Blute
In dunklen Nächten Herzschlag lieh.
Aus frommem Herzen Mutter nennen.
So will ich weite Wege wandern.
Oh, daß ich einst vom Suchen nicht ermüdet.
An stachlichen Ligusterhecken träumend.
Dich, Mutter, fände.
Bin ich nicht selbst mir Mutter?
Du, Frau, gabst stöhnend
Einmal Leben mir.
Ich starb so oft seit jenem Tag,
Ich starb
Gebar mich
Starb
Gebar mich

Ich ward mir Mutter.

Ernst Toller

"GIVE PEACE A CHANCE"

Wir sollen zum Kriege taugen,
da reibt sich jeder die Augen.
Ein Minister ist der Ansicht,
des Volkes Wille ist es nicht.

Kriege fordern Opfer weltweit,
millionenfach unsäglich' Leid.
Zahllose Tränen sind geweint,
stoppen wir die Gräuel vereint.

Gegen den Hunger in der Welt,
nicht für Aufrüstung unser Geld.
Ende der Waffenexporte,
Abrüstung an jedem Orte.

Für die Zukunft des Planeten,
weg mit Panzern und Raketen.
Lasst die weißen Tauben fliegen,
Aggression und Hass besiegen.

Keiner ist des Anderen Knecht,
für alle gilt das Menschenrecht.
Jeder kann glauben, was will,
Frieden und Freiheit unser Ziel.

Rainer Kirmse, Altenburg

"Moralpredigt"

(Der Hilfeschrei einer Toten)

Schaut euch an - mein Herz, es ruht,
fühle mich jetzt richtig gut,
denn mir wurde langsam klar:
Gunst war hier kaum auffindbar.

Macht euch um mich keine Sorgen,
denn ich spür’ den neuen Morgen.
Endlich weg von dieser Welt,
wo das liebe Geld nur zählt.

Freundschaft ist meist nur ein Wort,
Mobbing euer Lieblingssport,
kommt nur an, wenn’s bei Euch raucht,
Hilfsbereitschaft wird missbraucht.

Kinderzimmer - Ort des Grauens,
kaum noch Spuren des Vertrauens,
Stil und Anstand sind zunichte,
guter Wortschatz ist Geschichte.

Neid und Raffgier - Herr der Sinne,
wichtig sind euch nur Gewinne,
kaum Respekt vor alten Schwachen,
haben lang schon nichts zu lachen.

Internet verseucht die Seelen,
seht, wie sich die Kinder quälen,
Trauermärsche sprechen Bände,
Amokläufe ohne Ende.

Faulheit wird hier gut bezahlt,
mancher Nichtsnutz damit prahlt,
Widerstände, sie verstummen,
die Malocher sind die Dummen.

Alkohol beherrscht das Denken,
dumme Eltern Kinder lenken,
pfeifen auf Moral und Sitte,
kennen nicht das Wörtchen „Bitte“.

Tiere werden totgequält,
denn der Pelz am Körper zählt,
Brillianten an den Händen,
„Deutsche raus“ steht an den Wänden.

Legostein und Teddybär,
sind des Kindes Freud nicht mehr,
lieber eine Spielkonsole,
Fahrtenmesser und Pistole.

Nächstenliebe wird verspottet
und durch Undank ausgerottet,
der Dank - er ist, man wird belogen
und sogar durch den Dreck gezogen.

Panzer, die bewirken Schäden,
sind die Hits in Spielzeugläden.
über Kriege wird gelacht -
Mann, habt Ihr es weit gebracht!

Ruhm und Prunk - der Stolz der Reichen,
gehen sehr oft über Leichen,
die Welt verliert das Gleichgewicht,
schlimm ist nur, ihr merkt es nicht.

Warum wartet ihr so lange,
ist Euch denn nicht etwas bange?
Muss denn erstmal was geschehen?
Mann, ich könnt’ im Grab mich drehen!

Ganz zum Schluss noch einen Rat:
Schreitet langsam mal zur Tat,
fanget an zu überlegen,
allein schon eurer Kinder wegen.

© Norbert van Tiggelen (* 1964, † 2022)

Soldatenlied

Wir lernten in der Schlacht zu stehn

bei Sturm und Höllenglut.

Wir lernten in den Tod zu gehn,

nicht achtend unser Blut.

Und wenn sich einst die Waffe kehrt

auf die, die uns den Kampf gelehrt,

sie werden uns nicht feige sehn.

Ihr Unterricht war gut.

 

Wir töten, wie man uns befahl,

mit Blei und Dynamit,

für Vaterland und Kapital,

für Kaiser und Profit.

Doch wenn erfüllt die Tage sind,

dann stehn wir auf für Weib und Kind

und kämpfen, bis durch Dunst und Qual

die lichte Sonne sieht.

 

Soldaten! Ruft's von Front zu Front:

Es ruhe das Gewehr!

Wer für die Reichen bluten konnt,

kann für die Seinen mehr.

Ihr drüben! Auf zur gleichen Pflicht!

Vergeßt den Freund im Feinde nicht!

In Flammen ruft der Horizont

nach Hause jedes Heer.

 

Lebt wohl, ihr Brüder! Unsre Hand,

daß ferner Friede sei!

Nie wieder reiß das Völkerband

in rohem Krieg entzwei.

Sieg allen in der Heimatschlacht!

Dann sinken Grenzen, stürzt die Macht,

und alle Welt ist Vaterland,

und alle Welt ist frei!

Erich Mühsam

Klage

Wir haben den Frieden erstrebt und gewollt.

Da ist der Krieg in die Welt gerollt.

Und der Brand hat gezehrt, und der Tod hat gesenst,

und der gütige Gott ward zum Haßgespenst. Wehe!

 

Wir boten den Menschen Glück und Vernunft.

Der Habgier gaben sie Unterkunft.

Sie trauten des Neides unheiliger Schrift.

Neid goß ihnen Kugeln, Neid mischt ihnen Gift. Wehe!

 

Wir sangen den Völkern ein Freiheitslied.

Sie traten für ihre Beherrscher ins Glied.

Sie kämpften für ihrer Beherrscher Macht

und wähnten sich ihrer Kinder Wacht. Wehe!

 

Wir haben gerufen und haben gewarnt.

Das Grausen wankte heran, getarnt,

es schlug sich den Mantel um Kopf und Kinn

und schlug ihn den Menschen um Blick und Sinn. Wehe!

 

Wir haben dem grinsenden Grausen gewehrt.

Sie gaben ihm Hand und Herz und Schwert.

Das Grausen führte dem Schwert die Hand.

Millionen Leiber zuckten im Sand. Wehe!

 

Wir schrein unser Wehe! in Kampf und Pein.

Die Erde wird Grab und Asche sein.

Drei Herrinnen recken die Arme frei:

die Habgier, die Mordlust, die Sklaverei ... Wehe!

Erich Mühsam

Erich Mühsam (6. April 1878 – 10. Juli 1934) war ein deutscher antimilitaristischer Anarchist, Essayist, Dichter und Dramatiker. Als Kabarettist erlangte er während der Weimarer Republik internationale Bekanntheit mit Werken, die vor Adolf Hitlers Machtergreifung 1933 den Nationalsozialismus verurteilten und den späteren Diktator satirisch darstellten. Mühsam wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg gefoltert und ermordet.

Wenn Licht in der Seele ist,

ist Schönheit im Menschen.

Wenn Schönheit im Menschen ist,
ist Harmonie im Haus.

Wenn Harmonie im Haus ist,
ist Ordnung in der Nation.

Wenn Ordnung in der Nation ist,
ist Frieden in der Welt.

Aus China

In uns, in uns

Ulrich Schaffer (*1942), Fotograf und Schriftsteller

Der größte Schatz

Horst Rehmann (*1943), dt. Publizist, Maler,

Schriftsteller und Kinderbuchautor

Was es ist

"Es ist was es ist sagt die Liebe."

Erich Fried, österr. Lyriker, Übersetzer und Essayist, lebte ab 1938 in London im Exil

Nein zur Macht

Otmar Heusch (*1953), Dichter und Aphoristiker

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,

die da träumen fort und fort,

und die Welt hebt an zu singen,

triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff, war einer der  bedeutendsten Lyriker

und Schriftsteller der dt. Romantik

Viel mehr!

Fee Osa Greif (*1979)

Frieden

Michael Sebörk (*1963), Pädagoge

Friedensaufruf

Christina Telker (*1949), Kindergärtnerin, Hobbyautorin

Frieden für Alle

Christina Telker (*1949), Kindergärtnerin, Hobbyautorin

Mensch zu Mensch

Menschen, Menschen alle, streckt die Hände
Über Meere, Wälder in die Welt zur Einigkeit!
Dass sich Herz zu Herzen sende:

Neue Zeit!

Starke Rührung soll aus euren Aufenthalten
Flutgleich wellen um den Erdeball,
Mensch-zu-Menschen-Liebe glühe, froh verhalten,

Überall!

Was gilt Westen, Süden, Nähe, Weitsein,
Wenn Euch eine weltentkreiste Seele millionenfältigt!
Euer Mutter-Erde-Blut strömend Ich- und Zeitsein

Überwältigt!

Menschen! Alle Ihr aus einem Grunde,
Alle, Alle aus dem Ewig-Erde-Schoß,
Reißt euch fort aus Geldkampf, Krieg, der Steinstadt-Runde:

Werdet wieder kindergroß!

Menschen! Alle! drängt zur Herzbereitschaft!
Drängt zur Krönung Euer und der Erde!
Einiggroße Menschheitsfreunde, Welt- und Gottgemeinschaft

Werde!

Gerrit Engelke (* 1890,  1918), dt. Arbeiterdichter aus Hannover, gefallen im Ersten Weltkrieg; Quelle: Engelke, G., Gedichte. Entst. 1913, Erstdruck in: Masken. Zeitschrift für Politik, Kunst und Kultur, hrg. von Hans Franck, 15. Jahrg., H. 8/9 (Februar), Düsseldorf 1920

Weltwunder

Menschen starren oft nach Großem,
wollen Sensationen seh’n -
größer, höher, schneller, weiter;
welch ein Kind soll das versteh’n?

Wir bezeichnen es als Wunder,
wenn ein Mensch ins Weltall fliegt,
oder manch ein Prominenter
-zig Millionen Euro kriegt.

Diese Dinge sind alltäglich
hier auf unsrer großen Welt,
doch da gibt es andre Mächte,
und sie kosten nicht mal Geld.

Sehen, Hören, Riechen, Fühlen
sind des Menschen Wohlgenuss.
Materielles Rumgehabe,
sicherlich der größte Stuss.

Für mich zählt als großes Wunder,
ganz egal ob Frau, ob Mann:
Wenn jemand von ganzem Herzen
lieben und auch lachen kann.

Norbert van Tiggelen (* 1964, † 2022)

Geschichtsträchtig

René Oberholzer (*1963)

Harmonie und Frieden

Hans Hartmut Karg, 2019

Damit es Frieden in der Welt gibt,

müssen die Völker in Frieden leben.
Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt,
dürfen sich die Städte nicht gegeneinander erheben.
Damit es Frieden in den Städten gibt,
müssen sich die Nachbarn verstehen.
Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt,
muß im eigenen Haus Frieden herrschen.
Damit im Haus Frieden herrscht,
muß man ihn im eigenen Herzen finden.

Laotse (vermutlich 6. Jh. v. Chr.), eigentlich Laozi, auch Lau Dsi oder Lau Dan, nur legendenhaft fassbarer chines. Philosoph, Begründer des Taoismus, Laotse bedeutet 'der Alte', sein Sippenname war 'Li Erl'

Freude, schöner Götterfunken,

Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.

Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Friedrich von Schiller (*1759, 1805), dt. Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker; Quelle: Schiller, F., Gedichte. 1. Strophe "An die Freude" in der überarbeiteten Fassung von 1808

Frieden

Christina Telker (*1949), Kindergärtnerin, Hobbyautorin

Das Schönste

Das Schönste ist in dieser Welt
Der Friede im Gemüt,
Der wie die Lilie auf dem Feld
Auch unter Stürmen blüht.

Er gibt uns Trost zu jeder Zeit,
Wo sonst kein Trost uns blieb,
Drum bitte Gott, der ihn verleiht:
Den Frieden, Herr, mir gib!

Nicht ist's die Weisheit, nicht die Macht,
Draus uns das Glück entspringt,
Nicht Reichtum ist's nicht eitle Pracht,
Die uns den Segen bringt;

Nicht des Genusses Augenblick
Ist's, der uns wahrhaft lohnt,
O nein, es blüht des Lebens Glück
Nur, wo der Friede wohnt!

Drum frage nicht nach äußerm Schein,
Er blendet nur den Sinn,
Er läßt das Herz nicht fröhlich sein,
Und schwindet bald dahin -

Wenn dir das Schönste werden soll,
So hab' die Menschen lieb,
Gott aber bitte demutsvoll:
Den Frieden, Herr, mir gib.

Hermann Köhler (19./20. Jhdt.), dt. Dichter
Quelle: Köhler, Glaubensklänge. Eine Liedergabe für das Christenherz.

„Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird,
hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird,
dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht
und hernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht.“

Karl Kraus (*1874, 1936), Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker

Der höhere Friede

Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
Menschen, die im Busen Herzen tragen,
Herzen, die der Gott der Liebe schuf:

Denk' ich, können sie doch mir nichts rauben,
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
Der dem Hasse wie dem Schrecken wehrt;

Nicht des Ahorns dunkelm Schatten wehren,
Daß er mich im Weizenfeld erquickt,
Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
Die den stillen Busen mir entzückt.

Heinrich von Kleist (*1777, 1811), dt. Dramatiker, Novellist, Bühnenschriftsteller und Erzähler; Quelle: Kleist, H., Gedichte

Unser Wille?

Terrorängste, Attentate,
Pflegenotstand, Habgier, Neid.
Klimawandel, Erderwärmung,
Robbenschlachtung, Einsamkeit.

Suizide, Kinderschändung,
Amokläufe, Drogen, Krieg.
Egoismus, Korruptionen,
Schlachten, bis zum letzten Sieg.

Rassenhass und Diktaturen,
Hungersnöte, Mobbing, Zank,
Massenmorde, Dopingfälle,
nerven- und auch strahlenkrank.

Altersarmut, Wuchermieten
bremsen manchen Lebenslauf;
Glaubenskriege, Hetzkampagnen -
wann hört dieses Chaos auf?

Frieden, Güte, Licht und Wonne,
Rücksicht als ein Meilenstein,
Nächstenliebe, Lebensfreude
müssen uns`re Ziele sein!

Norbert van Tiggelen (* 1964, † 2022)

Weß ist der Erdenraum? Des Fleißigen.
Weß ist die Herrschaft? Des Verständigen.
Weß sei die Macht? Wir wünschen alle, nur
Des Gütigen, des Milden. Rach’ und Wuth
Verzehrt sich selber. Der Friedselige
Bleibt und errettet. Nur der Weisere
Soll unser Vormund seyn. Die Kette ziemt
Den Menschen nicht und minder noch das Schwert.

Johann Gottfried von Herder (*1744, 1803), deutscher Kulturphilosoph, Theologe, Ästhetiker, Dichter und Übersetzer; Quelle: Herder, Zerstreute Blätter (6 Sammlungen), 1785-97. Sechste Sammlung, 1797. VII. Legenden. Aus: Die Fremdlinge

Solange tausendfältig Kain den Abel

Unblutig oder blutig, noch erschlägt;
Und nicht der Streit, den einst erregt zu Babel
Des Sprachenkampfs Erinnys, beigelegt –
Solang' nicht Poesie als Taub' im Schnabel
Des ewigen Völkerfriedens Ölzweig trägt –
Solang, sag ich euch, trotz der Fanfaren
Des Fortschrittsjubel, sind wir noch Barbaren!

Robert Hamerling (*1830, 1889), österreichischer Roman- und Bühnenautor

Wandrers Nachtlied

Über allen Gipfeln
ist Ruh.

In allen Wipfeln
spürest du
kaum einen Hauch.

Die Vögelein schweigen im Walde.

Warte nur, balde
ruhest du auch.

Johann Wolfgang Goethe, war einer der bedeutendsten

dt. Dichter und Naturforscher