Der Traum ist aus

Veröffentlicht am 1. August 2023 um 01:36

Der Traum ist aus!

Lüge ist ein schlechtes Mittel der Kommunikation und Unterwerfung ist der Abgrund eines jeglichen Selbstwertgefühls.

Gerhard Mersmann, 28.07.2023

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die gesamte Republik, oder das, was noch von ihr übrig geblieben ist, sich in einen letzten, tiefen Traum begeben hat, um nicht die Zeichen lesen zu müssen, die bereits deutlich am drückenden Himmel stehen.

Das böse Erwachen aus einem lang gehegten, gepflegten und von allen Seiten bestätigten Gefühls, alles richtig gemacht zu haben, in den besten aller Zeiten zu leben und einer wunderbaren Zukunft entgegenzusehen.

Dass dem nicht so sein wird, wissen nicht nur die Kassandras und bösen Unken, sondern alle, die ihre Sinne noch einigermaßen beisammen haben. Bis auf das handelnde Personal und seine Echokammern. Da wird an allem festgehalten, was der fromme Wunsch einmal formuliert hat. Auch wenn jeder Tag genug Stoff dazu böte, den einmal eingeschlagenen Kurs zu revidieren.

Foto von Johannes Plenio auf Unsplash

Unerträglichkeit

Aber was machen, wenn man imprägniert war gegen jede Form der Kritik. Wenn aus einem normalen administrativen Geschäft gleich eine Schicksalsgemeinschaft gemacht wurde und jeder Hinweis auf Ungereimtheiten behandelt wurde wie hochgradiger Irrsinn oder schwerer Landesverrat.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte es bei vielen Wohlmeinenden klingeln müssen. Denn wer die Kritik verleumdet, der hat etwas zu verbergen. Und wer etwas verbirgt, ist nicht souverän.

Da sich das alles bis zu einem unerträglichen Punkt gesteigert hat, ist es folgerichtig, dass der mehr als berechtigte Zweifel an der Form der Regierung umgeschlagen ist in flächendeckende Angst. Angst vor der mentalen Inquisition, Angst vorm öffentlichen Scheiterhaufen. Denn die Knechte aus bestelltem und öffentlich bezahltem Kabarett, aus Talkshows und anderen Mediengerichtshöfen arbeiten rund um die Uhr. Da dünkt es vielen, es sei besser, den Ball zumindest für eine gewisse Zeit flach zu halten.

Moderne Pest

Seit der erratischen Politik im Falle Corona, mit vielen Irrtümern und vor allem mit einer medialen Hetze, die ihresgleichen suchte, ist sie ausgebrochen, die moderne Pest. Fortgesetzt wurde das Ganze durch eine seit dem Dritten Reich nicht da gewesene Propaganda-Show in Sachen Ukraine.

Das Ergebnis der eigenen Politik: NATO-Osterweiterung bis zum “Get No”, Junktim von EU und NATO, Regime Change durch Gewalt – es wurde verkürzt auf die Reaktion einer gedemütigten, ehemaligen Supermacht.

Die eigenen Weichenstellungen sollten nun in einem Brainwashing beseitigt werden. Wie im Falle Irak, mit über einer Million Toten, wie im Falle der Zerschlagung Jugoslawiens, wie im Falle Libyens, was sich bis heute auswirkt, mit täglich ersaufenden verzweifelten Menschen im Mittelmeer, wie im Falle Irans, wie im Falle Vietnams, wie im Falle Indonesiens etc. etc.

Der Traum

Die Knechte, die sich im Schutze einer Allianz wähnen, deren Führungsmacht mit nichts anderem arbeitet wie mit der Keule des Terrors, haben sich auch in dieser bewusst herbeigeführten Krise auf den Rücken gelegt, bevor auch nur einer von ihnen auf die Idee gekommen wäre, die eigenen Interessen zu formulieren.

Lüge ist ein schlechtes Mittel der Kommunikation und Unterwerfung ist der Abgrund eines jeglichen Selbstwertgefühls. Da hilft nichts. Keine flotte Diskriminierung der einen oder anderen Form von Kritik. Und auch nicht das Schönreden aus einer ausweglosen Lage.

Sollen sie flüchten, in den von Opiaten durchsetzten Traum. Er wird schnell und abrupt zu Ende gehen. Und keiner von denen, die glauben, sich hätten in dem Danach noch eine Zukunft, wird daraus erwachen. Es ist ein Abschied auf immer.


Gerhard Mersmann

Politologe, Literaturwissenschaftler und Trainer | Webseite

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.


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